Familienstiftung [Top-8 Vorteile] – Kosten, Satzung & GrĂŒndung im Überblick

Was ist eine Familienstiftung? Welche Vorteile bieten Familienstiftungen? Wie werden Familienstiftungen gegrĂŒndet? Wie werden Familienstiftungen steuerlich behandelt? Welche Alternativen zur Familienstiftung gibt es? Diese und viele weitere Fragen beantworten wir im nachfolgenden Beitrag.

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Autor: Dr. Robert Beier, LL.M. Dr. Robert Beier, LL.M.

Der Begriff „Stiftung“ wird hĂ€ufig mit einem gemeinnĂŒtzigen Zweck assoziiert. Eine Ausnahme stellt die sogenannte „Familienstiftung“ dar. Sie dient keinem gemeinnĂŒtzigen Zweck, sondern gewĂ€hrleistet stattdessen den langfristigen Zusammenhalt des Familienvermögens und die Versorgung der Familienmitglieder ĂŒber mehrere Generationen hinweg. So bietet Sie Familienmitgliedern beispielsweise die Möglichkeit, steuerlich bedacht zu werden, ohne dass dabei das Vermögen geteilt wird oder die Kontrolle ĂŒber das Familienunternehmen verloren geht. In diesem Beitrag erfahren Sie alles ĂŒber die GrĂŒndung, steuerliche Behandlung, Satzung, Kosten und Organe von Familienstiftungen.

 

Was ist eine Familienstiftung?

Unter einer Familienstiftung versteht man eine mit Vermögen ausgestattete Institution, die dauerhaft dem Interesse einer Familie dient. Das Vermögen wird also nicht von einer bestimmten Person bzw. einem bestimmten Personenkreis, sondern von der Stiftung ĂŒbernommen. Sie ist selbststĂ€ndig und gehört sich selbst.  Eine Familienstiftung hat im Gegenteil zu Kapitalgesellschaften oder Vereinen weder Mitglieder noch Gesellschafter. Sie besteht vielmehr aus einem Vermögen und einer Satzung, in der festgehalten wird, zu welchem Zweck das Vermögen verwendet wird und wie die Verwaltungsorgane definiert sind.

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Der Stifter bringt entweder zu Lebzeiten oder im Erbfall Vermögen in die Stiftung ein.

Entweder zu Lebzeiten oder im Erbfall bringt der Stifter Privat- bzw. Betriebsvermögen in die Stiftung ein. Dabei kann es sich um Immobilien, Bargeld, Wertpapiere, Unternehmensanteile oder sogar KunstgegenstĂ€nde handeln. Die BegĂŒnstigten der Stiftung, die auch als DestinatĂ€re bezeichnet werden, stehen dabei in einem familiĂ€ren oder zumindest verwandtschaftlichen VerhĂ€ltnis zum Stifter. DestinatĂ€re können Zuwendungen aus den laufenden ErtrĂ€gen des Stiftungsvermögens erhalten. Hierzu zĂ€hlen beispielsweise Mieten, KapitalertrĂ€ge oder Unternehmensgewinne. Damit bietet die Familienstiftung steuerliche Vorteile, die sowohl dem Stiftungsinhaber als auch seiner Familie zu Gute kommen. GrundsĂ€tzlich werden Familienstiftungen in private und unternehmensbezogene Formen unterteilt. Dabei erfreut sich die unternehmensbezogene Familienstiftung besonders großer Beliebtheit.

 

Stiftungszweck: gemeinnĂŒtzig oder privatnĂŒtzig?

Im Bereich des Gesellschaftsrechts sind Stiftungen ein weit verbreitetes Mittel, um Unternehmen sowohl zivil- als auch steuerrechtlich umfassend abzusichern. Viele Menschen verbinden Stiftungen dagegen mit sozialem Engagement. Und tatsĂ€chlich sind 90 Prozent aller Stiftungen gemeinnĂŒtziger Natur. Das bedeutet, dass die Stifter gemeinnĂŒtzige Projekte unterstĂŒtzen und dieses Engagement fĂŒr die Zukunft sichern wollen. Auch Unternehmen grĂŒnden hĂ€ufig gemeinnĂŒtzige Stiftungen, um Bekanntheit und Beliebtheit zu steigern. Neben gemeinnĂŒtzigen Stiftungen gibt es aber auch noch Stiftungen, die nicht mit einem sozialen Engagement in Verbindung stehen. Dabei handelt es sich beispielsweise um die Familienstiftung. Sie verfolgt einen privaten, wirtschaftlichen Zweck und verstĂ¶ĂŸt damit gegen die GemeinnĂŒtzigkeit nach § 51 der Abgabenordnung. Dies ist legitim, solange der Zweck selbstlos ist. Familienstiftungen dĂŒrfen demnach nicht das Ziel verfolgen, ihr Vermögen zu vermehren. Als Stiftungszweck wird daher die Förderung der finanziellen Interessen der Familienmitglieder bzw. die Sicherung und Erhaltung von Familienvermögen angegeben.

 

Wie wird eine Familienstiftung gegrĂŒndet?

Nicht zuletzt, weil die Familienstiftung einen großen organisatorischen und juristischen Aufwand bedeutet, sollte ihre GrĂŒndung sorgfĂ€ltig geplant und vorbereitet werden. Eine ausfĂŒhrliche Beratung durch einen Fachmann ist im Vorfeld der GrĂŒndung daher unbedingt empfehlenswert. Auch bezĂŒglich der darauffolgenden Schritte zur GrĂŒndung der Stiftung sollten Sie sich unbedingt rechtlich beraten lassen. Kontaktieren Sie uns gern, wenn Sie sich eine kompetente und umfassende Beratung zum Thema Familienstiftung wĂŒnschen. Unsere Kanzlei hilft Ihnen gerne dabei, die optimale Lösung fĂŒr Ihre individuelle Situation zu finden.

 

 

Die GrĂŒndung der Stiftung beginnt ganz allgemein mit dem Entwurf eines Stiftungskonzepts sowie einer Stiftungssatzung. In Letzterer sind unter anderem der Stiftungszweck sowie Name und Sitz der Stiftung zu benennen. Im nĂ€chsten Schritt werden dann die Stiftungsorgane besetzt, insbesondere der Stiftungsvorstand und der Stiftungsbeirat. Beim Stiftungsvorstand handelt es sich um das geschĂ€ftsleitende Gremium, der Stiftungsbeirat wird dagegen hĂ€ufig eingesetzt, um eine Kontrollfunktion auszuĂŒben. Wurden Stiftungskonzept und -satzung entworfen und sind die Stiftungsorgane besetzt, gilt es, die Stiftung mit Kapital auszustatten. Dieses stammt entweder aus dem Privat- oder Betriebsvermögen des Stifters und betrĂ€gt in der Regel mindestens 50.000 Euro. Im vorletzten Schritt der GrĂŒndung wird das sogenannte StiftungsgeschĂ€ft versendet. Dabei handelt es sich um einen Antrag zur StiftungsgrĂŒndung, der schriftlich mit Stiftungssatzung und Vermögenswidmung bei der zustĂ€ndigen Landesbehörde eingereicht wird. Im letzten Schritt der GrĂŒndung wird die Stiftung durch die Stiftungsbehörde anerkannt.

GrĂŒndung zu Lebzeiten

Die GrĂŒndung zu Lebzeiten ist ĂŒberaus vorteilhaft, da der Stifter sich hier mit der Stiftungsbehörde und dem Finanzamt abstimmen kann. Die Stiftungsurkunde muss dabei schriftlich erstellt und vom Stifter eigenhĂ€ndig unterzeichnet werden. Danach erfolgt die Übertragung eines vom Stifter frei gewĂ€hlten Betrags in das Stiftungsvermögen. Solange er lebt, sitzt der Stifter im Vorstand und bestimmt mit. Er kann die von ihm ausgewĂ€hlten, vertrauten Personen also lenken. Stirbt der Stifter, so sind der Stiftungsvorstand und die Aufsichtsbehörde dazu verpflichtet, seinen Willen fortzufĂŒhren.

GrĂŒndung mit Testament

Neben der GrĂŒndung zu Lebzeiten können Stifter aber auch in einem Testament verfĂŒgen, dass aus dem Nachlass eine Stiftung errichtet wird. Dieses Vorgehen ist jedoch sehr riskant und daher kaum empfehlenswert. Denn der Stifter kann hier nicht mehr befragt werden, so dass der Wille des Verstorbenen unter UmstĂ€nden nicht mehr befolgt werden kann, da die Behörden aufgrund von Unbestimmtheit einer solchen GrĂŒndung keine Genehmigung erteilen. Sollte dennoch der Wunsch nach einer Zuwendung erst nach dem Tod des Stifters bestehen, bietet sich eher ein Vermerk im Testament fĂŒr eine Zustiftung zu einer bereits bestehenden Stiftung an. In diesem Fall handelt es sich in der Regel jedoch nicht mehr um eine Familienstiftung.

 

Wie werden Familienstiftungen steuerlich behandelt?

Da es sich bei Familienstiftungen nicht um gemeinnĂŒtzige Stiftungen handelt, sind sie auch nicht steuerbefreit. Es fallen also an verschiedenen Stellen Steuern an, beispielsweise im Rahmen der GrĂŒndung. Diese Steuerbelastung stellt aber gerade im Vergleich zu anderen Lösungen und je nach Familienkonstellation nicht zwangslĂ€ufig einen Nachteil dar.

Rechner & Finanzen

Familienstiftungen sind privatnĂŒtzige Stiftungen und somit steuerpflichtig.

Besteuerung bei StiftungsgrĂŒndung

Im Rahmen der StiftungsgrĂŒndung fĂ€llt mit dem StiftungsgeschĂ€ft und der damit einhergehenden Übertragung von Vermögenswerten die sogenannte Schenkungssteuer an. Hieraus ergibt sich unter UmstĂ€nden ein Vorteil gegenĂŒber anderen Privatstiftungen. So richtet sich die Besteuerung zum Beispiel nach dem Verwandtschaftsgrad zwischen Stifter und begĂŒnstigten Familienmitgliedern. Handelt es sich dabei um den Ehepartner und/oder direkte Abkömmlinge wie Kinder oder Enkel, wird die gĂŒnstigste Steuerklasse (Steuerklasse I) angewendet. BegĂŒnstigte der Steuerklasse I können dabei einen Freibetrag von bis zu 500.000 Euro (Ehepartner) bzw. 400.000 Euro (Kinder & Enkel) geltend machen, BegĂŒnstigte der zweiten und dritten Steuerklasse dagegen nur bis zu 20.000 Euro. Solche hohen FreibetrĂ€ge können außerdem nur im Rahmen der StiftungsgrĂŒndung in Anspruch genommen werden. SpĂ€tere Zustiftungen unterliegen der Steuerklasse III.

Besteuerung von Stiftungsvermögen & AusschĂŒttungen

Da Familienstiftungen keine gemeinnĂŒtzigen Zwecke verfolgen, interessiert die AbzugsfĂ€higkeit von Spenden an dieser Stelle nicht. Ertragssteuerlich werden Familienstiftungen gemĂ€ĂŸ § 1 des Körperschaftssteuergesetzes (KStG) mit einer Körperschaftssteuer von 15 Prozent (§ 23 KStG) besteuert. Dabei kann gemĂ€ĂŸ § 24 KStG ein Freibetrag von bis zu 5.000 Euro geltend gemacht werden, der auch fĂŒr die Gewerbesteuer gilt. Zur Körperschaftssteuer kommt außerdem die Erbersatzsteuer hinzu, die im § 1 Abs. 1 des Erbschaftssteuer- und Schenkungssteuergesetzes (ErbStG) geregelt wird. Sie wird erhoben, damit die normale Erbschaftssteuer von Familien nicht ĂŒber den Weg einer Stiftung umgangen wird. So wird das Vermögen einer Familienstiftung alle 30 Jahre mit der Erbersatzsteuer belastet. Dabei wird von einem fiktiven Erbfall an zwei Kinder ausgegangen. Demnach kann ein Freibetrag von bis zu 800.000 Euro (400.000 Euro pro Kind) geltend gemacht werden und der Steuersatz liegt zwischen 7 und 30 Prozent.

Beispielrechnung:

 

Tipp! Die steuerliche Belastung der Erbersatzsteuer kann gesenkt werden, indem eine Stiftung fĂŒr jedes Kind gegrĂŒndet wird, wodurch mehr FreibetrĂ€ge geltend gemacht werden können.

Auch die AusschĂŒttungen an DestinatĂ€re unterliegen gemĂ€ĂŸ § 43 des Einkommensteuergesetzes (EstG) der Steuerpflicht. Die genaue Regelung ist rechtlich nicht ganz unumstritten und hĂ€ngt unter anderem von der Struktur der Stiftung ab. Sie ist in der Regel aber immer noch gĂŒnstiger als die direkte Übertragung des Vermögens. In der Regel betrĂ€gt die Abgeltungssteuer fĂŒr KapitalertrĂ€ge aber 25 Prozent zzgl. SolidaritĂ€tszuschlag und ggf. Kirchensteuer (§ 43a EstG). Diese Belastung wird gemĂ€ĂŸ § 36 Abs. 2 Nr. 2 EstG in Verbindung mit § 31 Abs. 1 KStG auf die Körperschaftssteuer angerechnet. GrundsĂ€tzlich belĂ€uft sich die Steuerbelastung bei Familienstiftungen auf 16,35 Prozent zzgl. Gewerbesteuer. Bis 1998 lag die Besteuerung noch bei 45 Prozent. Die Gewerbesteuer fĂ€llt dabei nur an, wenn GewerbeertrĂ€ge erwirtschaftet werden. Verwaltet die Familienstiftung dagegen nur das eigene Vermögen ohne einen Zweckbetrieb zu fĂŒhren, besteht keine Gewerbesteuerpflicht. AusschĂŒttungen an Familienmitglieder oder andere bezugsberechtigte Personen unterliegen also der Abgeltungssteuer. Dies ist aus sozialversicherungsrechtlicher Sicht sogar von Vorteil, da auf die ErtrĂ€ge keine Sozialversicherungsabgaben gezahlt werden mĂŒssen. Der Zweck von Familienstiftungen, Familienangehörige materiell zu versorgen bzw. Ihnen das Stiftungsvermögen zu privaten Zwecken zugĂ€nglich zu machen, regelt der § 1 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG.

 

Die Satzung einer Familienstiftung

In der Satzung einer Familienstiftung wird festgehalten, wie das Vermögen angelegt und zu welchem Zweck die ErtrĂ€ge verwendet werden sollen. Auch wie die Organe der Stiftung auszusehen haben, wird in der Satzung geregelt. Sie stellt also die Grundordnung der Stiftung dar und bindet die Stiftungsorgane unabĂ€nderlich und auf ewig an den Stifterwillen. Zu den Organen zĂ€hlt auch ein Stiftungsbeirat bzw. Kuratorium zur Überwachung der TĂ€tigkeiten des Vorstands und zur Einhaltung der Satzung.

GemĂ€ĂŸ § 81 BGB sind in der Satzung mindestens folgende Dinge zu regeln:

  • Name der Stiftung
  • Stiftungssitz
  • Stiftungszweck
  • Stiftungsvermögen
  • Bildung des Vorstands der Stiftung

 

Dem Stiftungszweck kommt dabei eine besonders große Bedeutung zu. So kann der Stifter den förderungswĂŒrdigen Zweck frei bestimmen. Dieser muss jedoch so exakt wie möglich definiert werden, weil eine spĂ€tere Änderung nur schwer möglich ist. Da der Stiftungszweck grundsĂ€tzlich nur aus den ErtrĂ€gen des Vermögens gefördert wird, mĂŒssen sowohl Vermögen als auch Anlage der Stiftung dauerhaft gesichert sein. Das Vermögen selbst bleibt also unangetastet.

Änderung der Satzung

Die Satzung einer Stiftung soll grundsĂ€tzlich nicht verĂ€ndert werden. Dies wird auch von der zustĂ€ndigen Aufsichtsbehörde anerkannt, die zur FortfĂŒhrung des Stifterwillens verpflichtet ist. Familienstiftungen weichen von dieser Regelung jedoch ab. So ist eine SatzungsĂ€nderung zwar möglich, allerdings auch mit hohen finanziellen Belastungen verbunden. Denn zum einen lösen Änderungen der Satzung Erbschafts- und Schenkungssteuerverpflichtungen der Steuerklasse III aus, zum anderen beginnt bezĂŒglich der alle 30 Jahre fĂ€llig werdenden Erbersatzsteuer ein neuer Zeitlauf. Finanzverwaltungen sehen in der SatzungsĂ€nderung außerdem eine Auflösung der bestehenden Stiftung sowie die GrĂŒndung einer neuen Stiftung.

 

PrĂŒfung der Stiftung

Die PrĂŒfung erfolgt durch einen PrĂŒfungsverband, eine WirtschaftsprĂŒfungsgesellschaft oder eine staatliche Rechnungsstelle.

FĂŒr die PrĂŒfung von Familienstiftungen ist grundsĂ€tzlich ein PrĂŒfungsverband, eine WirtschaftsprĂŒfungsgesellschaft oder eine staatliche Rechnungsstelle zustĂ€ndig. Die Grundlage hierfĂŒr bieten die Vorschriften zur PrĂŒfung von Stiftungen des jeweiligen Bundeslandes. DarĂŒber hinaus können Familienstiftungen in ihren Satzungen aber auch eine freiwillige PrĂŒfung festschreiben. GeprĂŒft werden vor allem die Erhaltung des Stiftungsvermögens sowie die Mittelverwendung im Rahmen der jeweiligen Satzung. Zudem wird auch geklĂ€rt, ob die allgemeine Buchhaltung den GrundsĂ€tzen ordnungsgemĂ€ĂŸer BuchfĂŒhrung entspricht. Erfolgt die PrĂŒfung durch einen WirtschaftsprĂŒfer, kann die Untersuchung durch eine behördliche Organisation ausgeschlossen werden. Ist die PrĂŒfung abgeschlossen, erteilt der WirtschaftsprĂŒfer einen BestĂ€tigungsvermerk, dessen Wortlaut im § 322 HGB geregelt ist und von dem nicht abgewichen werden darf. Ähnlich wie bei Kapitalgesellschaften stellen die §§ 264 ff. HGB die Grundlage fĂŒr einen BestĂ€tigungsvermerk dar.

 

Haftungsfragen

Familienstiftungen sind grundsĂ€tzlich selbst rechtsfĂ€hig und TrĂ€ger von Rechten und Pflichten. Sie sind unbeschrĂ€nkt, direkt haftungsfĂ€hig und treten mit dem eigenen Vermögen ein. BegĂŒnstigte DestinatĂ€re haften nicht, da sie im Gegenteil zu Gesellschaftern einer Kapitalgesellschaft weder Anteile noch sonstige Gesellschafterrechte an der Stiftung erhalten. Sie haften ausschließlich im Rahmen der Organhaftung, beispielsweise wenn sie gleichzeitig DestinatĂ€r und Vorstand sind. Die Organhaftung des Stiftungsvorstandes wird wie bei Vereinen in den §§ 86 ff. BGB in Verbindung mit § 31 BGB geregelt. Demnach haftet die Familienstiftung fĂŒr die Fehler und verursachten SchĂ€den der Organe. HaftungstatbestĂ€nde sind dabei hĂ€ufig unrichtige Spendenbescheinigungen, unkorrekt abgefĂŒhrte Steuern, Verletzungen der Auskunftspflicht sowie unterlassene Hinweise bei Insolvenzverdacht. Im Falle vorsĂ€tzlichen oder grob fahrlĂ€ssigen Handelns kann der Vorstand durchaus auch persönlich haftbar gemacht werden.

 

Vorteile von Familienstiftungen

Obwohl Familienstiftungen der Steuerpflicht unterliegen, kann eine GrĂŒndung aus ganz verschiedenen GrĂŒnden lohnenswert sein. So bieten Familienstiftungen unter anderem folgende Vorteile:

 

 

Ein Vorteil von Familienstiftungen ist die einfache GrĂŒndung. So mĂŒssen lediglich die Stiftungsorgane eingesetzt und die Stiftung mit Kapital ausgestattet werden. Nachdem der Stiftungsantrag gemeinsam mit der Satzung und der Vermögenswidmung bei der zustĂ€ndigen Landesbehörde eingereicht wurde, wird die Stiftung dann durch die Stiftungsbehörde anerkannt (siehe Abschnitt „Wie wird eine Familienstiftung gegrĂŒndet?“). Eine Eintragung ins Handelsregister ist nicht notwendig. Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus dem Einfluss des Stifters. So hat er die Möglichkeit, den förderungswĂŒrdigen Zweck selbst zu bestimmen, sein Vermögen zu erhalten und das Unternehmen weiterzufĂŒhren. DarĂŒber hinaus können Familienstiftungen bzw. deren Satzung ganz individuell ausgestaltet werden. Das bedeutet, dass nicht nur das VerhĂ€ltnis innerhalb der Stiftung frei gestaltet werden kann, sondern auch der Kreis der BegĂŒnstigten ist klar abgrenzbar und es können gleichzeitig mehrere BegĂŒnstigte in Abstufungen bedacht werden. Einer der bedeutendsten Vorteile von Familienstiftungen ist aber der effektive Vermögensschutz. So ist eine Zersplitterung des Vermögens innerhalb der Familie, beispielsweise durch Erbschaft oder Scheidung, nicht möglich. Auch einer Zerschlagung des Unternehmens wird auf diesem Weg vorgebeugt, da Stiftungen keine Anteile ausgeben, die aufgekauft werden könnten. Ein weiterer ĂŒberaus wichtiger Vorteil von Familienstiftungen besteht in der vor allem langfristigen erbrechtlichen Planbarkeit. Denn Familienmitglieder sind mit GrĂŒndung der Stiftung verbindlich ĂŒber das Stiftungsvermögen abgesichert. Durch eine klare Struktur der Stiftung können eventuelle Erbschaftsstreitigkeiten so bereits zu Lebzeiten des Stifters entschĂ€rft werden. Außerdem können Stifter die PflichtteilsansprĂŒche Ihrer Kinder oder Enkel umgehen, wenn sie ihr Vermögen zehn Jahre vor dem Tod auf die Stiftung ĂŒbertragen. DarĂŒber hinaus ist die Haftung bei Familienstiftungen auf das Stiftungsvermögen begrenzt und es besteht keine Bilanzpflicht. Ein letzter Vorteil von Familienstiftungen sind mögliche steuerliche BegĂŒnstigungen. So ergeben sich je nach Ausgestaltung der Stiftung unter UmstĂ€nden steuerliche Vorteile, wie beispielsweise die Besteuerung der Körperschaftssteuer, ohne dass dabei eine Gewerbesteuer anfĂ€llt.

 

Nachteile von Familienstiftungen

NatĂŒrlich bieten Familienstiftungen nicht nur Vor- sondern auch einige Nachteile. In der Regel handelt es sich dabei um:

 

 

Ein Nachteil von Familienstiftungen wird bereits im Rahmen der GrĂŒndung deutlich. So wird ein Kapital von mindestens 50.000 Euro benötigt, um die Stiftung ĂŒberhaupt erst grĂŒnden zu können. Ein weiterer Nachteil ist der Stiftungszweck. Er muss genau definiert werden und ist nur Ă€ußerst bedingt variabel. Außerdem erhalten BegĂŒnstigte lediglich wiederkehrende Zahlungen. Eine AusschĂŒttung des Vermögens ist nicht möglich, was aus steuerlicher Sicht ein Nachteil sein kann. Ebenfalls nachteilig ist die UnkĂŒndbarkeit, denn diese Form der Gesellschaft kann grundsĂ€tzlich nicht gekĂŒndigt werden. DarĂŒber hinaus wird alle 30 Jahre die Erbersatzsteuer fĂ€llig, die im Gegensatz zu einem tatsĂ€chlichen Erbfall allerdings planbar ist. Auch dass Familienangehörige ihre Anteile auf Dritte ĂŒbertragen können, wird hĂ€ufig als Nachteil empfunden. DarĂŒber hinaus haftet die Stiftung fĂŒr Nachlassverbindlichkeiten des Stifters. Ein weiterer bedeutender Nachteil von Familienstiftungen ist die staatliche Beaufsichtigung. So unterliegen Familienstiftungen, wie andere Stiftungen auch, der Aufsicht und Kontrolle durch die Stiftungsaufsicht des jeweiligen Bundeslandes. GrundsĂ€tzlich sind Familienstiftungen eine relativ unflexible Gesellschaftsform. Zwar bieten sie StabilitĂ€t, dafĂŒr können Satzungen aber nur schwerlich verĂ€ndert werden und auch die Trennung von unrentablen Unternehmensteilen aus der Stiftung ist kompliziert.

 

Alternativen zur Familienstiftung

Sollten Sie sich nach der Betrachtung der Vor- und Nachteile gegen die GrĂŒndung einer Familienstiftung entscheiden, stehen Ihnen eine Reihe von Alternativen zur VerfĂŒgung:

 

GrĂŒndung einer gemeinnĂŒtzigen Stiftung

Die GrĂŒndung von gemeinnĂŒtzigen Stiftungen lĂ€uft Ă€hnlich wie bei Familienstiftungen ab. Auch Sie mĂŒssen von einer Aufsichtsbehörde genehmigt werden, um anerkannt zu werden und rechtsfĂ€hig zu sein. GemeinnĂŒtzige Stiftungen werden im Gegensatz zur Familienstiftung steuerbegĂŒnstigt, wenn sie gemeinnĂŒtzige, mildtĂ€tige und/oder kirchliche Zwecke verfolgen. Soll das Vermögen also dauerhaft einem guten Zweck gewidmet werden, ist die steuerbegĂŒnstigte gemeinnĂŒtzige Stiftung vielleicht die bessere Wahl. Auch sie kann sowohl den Stifter als auch seine Familie unterstĂŒtzen, allerdings nur in begrenztem Umfang. So ist die GemeinnĂŒtzigkeit gemĂ€ĂŸ § 58 Nr. 6 AO gegeben, solange die Stiftung einen Teil von höchstens einem Drittel ihres Einkommens dazu verwendet, den Stifter und seine Angehörigen zu unterhalten. Die ErtrĂ€ge der Stiftung werden fĂŒr diesen Fall nicht besteuert und auch die Erbersatzsteuer entfĂ€llt. Die an die Familienmitglieder gezahlten AusschĂŒttungen unterliegen jedoch der Steuerpflicht.

UnselbststÀndige Stiftungen (Zustiftungen)

Wie bereits erwĂ€hnt, gibt es auch sogenannte Zustiftungen. Dabei wird zur Verwirklichung eines bestimmten Stiftungszwecks Vermögen an eine bestehende juristische oder natĂŒrliche Person ĂŒbertragen. Rechtlich liegt dann ein Treuhandvertrag bzw. eine Schenkung unter Auflagen vor. Zustiftungen bieten einige Vorteile. So ist beispielsweise keine GrĂŒndung erforderlich. In der Folge bedarf es keinerlei behördlicher Anerkennungsverfahren und es besteht auch keine Staatsaufsicht. Das ĂŒbertragene Vermögen geht dabei in das Eigentum des StiftungstrĂ€gers ĂŒber. Vor allem wegen ihres hohen Maßes an FlexibilitĂ€t erfreut sich diese Form der Stiftung in der Praxis großer Beliebtheit.

GrĂŒndung einer Familiengesellschaft

Soll keine Stiftung gegrĂŒndet und bis zum Tod noch selbst ĂŒber das Vermögen verfĂŒgt werden, besteht eine weitere Möglichkeit, gebundenes Vermögen zugunsten der Verwandtschaft einzubringen: die GrĂŒndung einer Familiengesellschaft bzw. eines Familienpools. So wird das Vermögen in eine Familiengesellschaft eingebracht, deren Gesellschaftsvertrag Regelungen zur Funktion der Gesellschaft enthĂ€lt. Anschließend werden Familienangehörige beliebig beteiligt. Durch Bestimmungen zum Stimmrecht und zur Nutzung können die VerhĂ€ltnisse dann ganz individuell gestaltet werden. Durch weitere Übertragungen von Gesellschaftsanteilen zu Lebzeiten können außerdem steuerliche Vorteile genutzt werden, beispielsweise durch die gezielte Ausschöpfung der FreibetrĂ€ge alle zehn Jahre.

 

Zusammenfassung

Unterschrift Jurist

Familienstiftungen halten das Familienvermögen zusammen und sichern nachfolgende Generationen ab.

Familienstiftungen sind weniger eine Methode, Steuern einzusparen, als vielmehr eine Institution, die sowohl das Familienvermögen zusammenhĂ€lt als auch nachfolgende Generationen ĂŒber den Tod des Stifters hinaus absichert. Diese Sicherheit geht jedoch damit einher, dass diese Gesellschaftsform in vielerlei Hinsicht unflexibel ist. DafĂŒr stellt die Familienstiftung eine der besten Möglichkeiten dar, den Willen des Stifters ĂŒber seinen Tod hinaus fortzufĂŒhren und ggf. Familienunternehmen zum Wohle der Familie zu erhalten. Familienstiftungen sind grundsĂ€tzlich privatnĂŒtzig und damit steuerpflichtig. Je nach Gestaltung der Stiftung lassen sich aber dennoch steuerliche Vorteile erzielen, beispielsweise im Vergleich zur VermögensĂŒbertragung im Rahmen einer Erbschaft. Die GrĂŒndung gestaltet sich als relativ einfach und unkompliziert, setzt jedoch die Ausstattung mit einem Kapital von mindestens 50.000 Euro voraus. Bereits im Rahmen der GrĂŒndung muss auch immer eine Satzung entworfen werden, die Auskunft darĂŒber gibt, wie das Vermögen angelegt werden soll und zu welchem Zweck die ErtrĂ€ge zu verwenden sind. Sie stellt also die Grundordnung der Stiftung dar und bindet die Stiftungsorgane unabĂ€nderlich und auf ewig an den Stifterwillen. Zu den Organen einer Stiftung zĂ€hlen der Vorstand sowie der Beirat der Stiftung. Letzterer dient der Überwachung des Vorstands. Eine Änderung der Satzung ist grundsĂ€tzlich nicht vorgesehen, unter BerĂŒcksichtigung einiger nicht unwesentlicher HĂŒrden aber durchaus möglich. Die PrĂŒfung einer Familienstiftung erfolgt entweder durch einen PrĂŒfungsverband, eine WirtschaftsprĂŒfungsgesellschaft oder eine staatliche Rechnungsstelle.

HĂ€ufige Fragen zur Familienstiftung

Was ist eine Familienstiftung?
Unter einer Familienstiftung versteht man eine mit Vermögen ausgestattete Institution, die dauerhaft dem Interesse einer Familie dient. Das Vermögen ĂŒbernimmt also nicht ein bestimmter Personenkreis, sondern die Stiftung. Sie ist selbststĂ€ndig, gehört sich selbst und hat weder Mitglieder noch Gesellschafter.
Wie wird eine Familienstiftung gegrĂŒndet?
Ablauf der GrĂŒndung einer Familienstiftung: 1. Entwurf des Stiftungskonzepts und der Stiftungssatzung 2. Besetzung der Stiftungsorgane (vor allem Stiftungsvorstand & -beirat) 3. Ausstattung der Stiftung mit Kapital 4. Versenden des StiftungsgeschĂ€fts (GrĂŒndungsantrag) 5. Anerkennung der Stiftung durch Stiftungsbehörde
Was kostet die GrĂŒndung einer Familienstiftung?
Die GrĂŒndung einer Familienstiftung ist grundsĂ€tzlich kostenlos, die Stiftung muss jedoch mit Kapital ausgestattet werden. Behörden fordern in der Regel ein Mindestkapital von 50.000 €, damit der Zweck der Stiftung erreicht werden kann.
Wie werden Familienstiftungen steuerlich behandelt?
Familienstiftungen sind grundsÀtzlich steuerpflichtig, dabei fallen folgende Steuern an: Schenkungssteuer, Körperschaftssteuer, Erbersatzsteuer, Einkommensteuer & Abgeltungssteuer. GrundsÀtzlich betrÀgt die Steuerbelastung bei Familienstiftungen 16,35 % zzgl. Gewerbesteuer.
Was sind die Vorteile einer Familienstiftung?
‱ Einfache GrĂŒndung ‱ Stifter haben großen Einfluss ‱ Individuelle Ausgestaltung ‱ Erbrechtliche Planbarkeit (vor allem langfristig) ‱ HaftungsbeschrĂ€nkung ‱ Keine Bilanzpflicht ‱ Steuervorteile

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